Dorfraatsch´n auf MCC-Jubiläumsflug mit „Grufthansa“

Festliche Gala in der Seehofhalle mit viel Prominenz

Gleich zwei Jubiläen konnte Sitzungspräsident Hans Werner Müller in der festlich geschmückten Seehofhalle verkünden. 55 Jahre MCC und zum 25. Mal in der wiederum ausverkauften Seehofhalle! Die war mit reichlich Prominenz aus Kommunal-, Landes- und Bundespolitik garniert und bot den Besuchern ein Feuerwerk an Gags und Tanzdarbietungen.

Wolfgang Tröger mit seinem Ständchen zum Jubiläum
Wolfgang Tröger mit seinem Ständchen zum Jubiläum

Zunächst waren aber für den fränkischen Fasching ungewohnte Klänge zu vernehmen: noch bevor zum Narhalla-Marsch alle Mitwirkenden auf die Bühne einzogen, hatte die Glen Regnitz Pipe Band unter der Leitung von Horst Blank in schottischer Originaltracht und mit Dudelsäcken „bewaffnet“ ihren ersten beeindruckenden Auftritt. Wolfgang Tröger war es danach vorbehalten, das Motto des Abends in seinem Lied „55 Jahre MCC“ vorzustellen. Es sollte nicht das einzige Mal an diesem Abend sein, dass die gesamte Seehofhalle schunkelnd in den Gesang einstimmte.

Den Tanzreigen eröffnen traditionell die Kleinsten. In ihrer reizenden Aufführung zur Musik aus Disney-Klassikern verzauberten die Bambinis unter der Leitung von Christiane Stahl und Maria Arnold die Gäste. Schwungvoll und exakt präsentierte anschließend die Kindergarde ihren klassischen Marsch (Trainerinnen Tina Eck und Katharina Schimschal).

Moritz Lamprecht und das Geschäft mit der Partnervermittlung
Moritz Lamprecht und das Geschäft mit der Partnervermittlung

Eine Partnervermittlung für übrig gebliebene alleinstehende Memmelsdorfer mit Niveau betreibt Moritz Lamprecht. Diskretion geht ihm eigentlich über alles und doch gibt er „versehentlich“ so manche pikante Details preis. Seine Spezialität sind kreative Beschreibungen der Vorzüge seiner Klienten. Also bastelt er dem noch rüstigen 89-jährigen Single auf seiner Partnerbörse ein schmeichelhaftes Profil unter www.peter-kann-es-noch.de. Die Elferräte bietet er als Schnäppchen der Woche an, wobei er notfalls gleich noch eine Alibivermittlung für Fremdgeh-Termine für ein stattliches Honorar („in jedem Fall billiger als eine Scheidung!“) anbieten kann. Sein Top-Angebot hebt er für den Schluss auf: verdächtig ist nur, dass die Beschreibung des so Angepriesenen irgendwie auf ihn selbst zutrifft! In seinem ersten Soloauftritt überzeugte das MCC-Eigengewächs mit Coolness und trockenem Humor. Der herzliche Applaus und Dank des Sitzungspräsidenten galt ihm sowie Marlene Groh für Skript und Regie.

Mit einem Appell an die Heiterkeit begrüßten Seine Tollität Prinz Jakob I. und Ihre Lieblichkeit Anja I. das Narrenvolk. Deren dreifach donnerndes „Memmelsdorf-Hellau“ war der Startschuss für das Funkenmariechen Hanna Schiller. Unter der Choreographie von Christina Ther überzeugte sie mit einem artistischen aber auch anmutigen Auftritt.

Nach seiner gelungenen Premiere im Vorjahr gab sich erneut Pfarrer Peter Barthelme die Ehre. Als klassischer Büttenredner wagte er einen Parforce-Ritt durch das gesamte politische und öffentliche Spektrum. Alle Parteien bekamen ihr Fett ab, kein namhafter Politiker blieb in seinem gereimten Vortrag unerwähnt. Nicht einmal vor dem Münchner Kardinal Marx macht er Halt („KKK – Kommunist-Kapital-Kardinal“). Mit Blick auf den „Schrottplatz Bundeswehr“ hat „Josef Libella“ (in Anspielung auf sein Lieblingsgetränk) für den Ernstfall nur einen Ratschlag für Ministerin von der Leyen: „Notfalls trink ´mer halt die Russen nieder – auf den Heimatpfaffen därf´ ma´ aber dabei net zählen!“

Das Männerballett krachledern im Schlussbild mit Heidi
Das Männerballett krachledern im Schlussbild mit Heidi

Urige Männer erklimmen schwindelnde Höhen – wenn auch zunächst nur die Bühne. Krachledern und schuhplattlernd protzt das Männerballett nicht nur mit ihren Waden. Ihr „graziler“ Vortrag wird getoppt durch den Auftritt von Heidi (männlich? weiblich? wer weiß es so genau?!). Die Folge war tosender Applaus und eine heftig geforderte Zugabe. Der Dank galt auch den Trainerinnen Sandra Leneis und Sabrina Einwich.

Als Hausmeister im Multikulti-Mietshaus erlebt man einige Kuriositäten. Da fährt der übermütige Nachwuchs im Treppenhaus Ski und bringt so die Oma in die Nervenklinik (ein großes Dankeschön an die anwesende Gesundheitsministerin Melanie Huml für die vorzeitige Entlassung) oder der Hausbesuch muss wohl vom Umweltamt sein, weil der immer fragt, ob die Luft rein ist.  Auch weiß er vom Ehemann zu berichten, der dem leibhaftigen Teufel begegnet und keine Angst zeigt, „weil ich ja scho´ dreissig Jahr´ mit deiner Schwester verheirät bin“. Wolfgang Tröger ist ein mit sämtlichen Dialekten gesegneter Witze-Erzähler, der seine Geschichten so plastisch ausmalt, dass die Zuhörer oftmals schon die Pointen ahnen und sich bereits vorher nicht mehr halten können. In die dazwischen eingestreuten Klassiker traditionellen Liedguts stimmten alle mit ein und zudem war auch für die Fans von Schunkelrunden etwas geboten.

Der Goldene Baggerhelm für Bürgermeister Gerd Schneider (Christopher Müller und Anna Nickoleit)
Der Goldene Baggerhelm für Bürgermeister Gerd Schneider (Christopher Müller und Anna Nickoleit)

Flott und mitreißend absolvierte die Jugendgarde ihren Tanz (Trainerinnen Conny Einweich und Sandra Leneis) bevor die Bühne sich in eine Baustelle wandelte. Die Memmelsdorfer Mafia hat sich aber nur scheinbar einer ehrlichen Arbeit zugewandt. In erster Linie wird ausgeruht, das Wetter interpretiert (Nebel ist zu gefährlich und Frost Gift für das Baustellen-Bier), über Brotzeiten diskutiert und über die Gemeinde-Aktivitäten gelästert – zumeist in gelungenen Gesangseinlagen. Der auf dem 100$-Schutzgeld-Schein der Mafia verewigte Bürgermeister Gerd Schneider muss dabei besonders oft für den Spott herhalten: weil der tagsüber seiner Lieblingsbeschäftigung – dem Baggern –  nachgeht, bleiben ihm nur die Abendstunden für seine Arbeit im Rathaus, wo bekanntermaßen noch spätnachts das Licht in seinem Büro brennt. Hierfür erhält er den goldenen Baggerhelm überreicht und kann damit gleich seine nächsten Baustellen einrichten. Musikalisch unterstützt von Herbert Müller schaffen es Anna Nickoleit, Florian Nickoleit, Thomas Müller und Christopher Müller an diesem Abend erneut, einen Ohrwurm in die Welt zu setzen: „Rot, Weiß und Grün – wir lieben´s zum Fasching zu gehen“.

Den tänzerischen Höhepunkt setzte die Prinzengarde mit Ihrem Gardemarsch. Unter der Leitung von Carola Nöth und Beate Saal sollten sie außerdem zu vorgerückten Stunden noch Gelegenheit haben, mit ihrem aufwändigen Showtanz zu beeindrucken.

Die Meedensdorfer Dorfraatsch´n als Flugbegleiterinnen der „Grufthansa“ (v.l.: Claudia Gunzelmann u. Gerda Hofmann)
Die Meedensdorfer Dorfraatsch´n als Flugbegleiterinnen der „Grufthansa“ (v.l.: Claudia Gunzelmann u. Gerda Hofmann)

Ungewohnt adrett erschienen die Dorfraatsch´n in ihrem Outfit als Stewardessen der „Grufthansa“ auf der Bühne. Nach ihrem letzten Aufruf zum MCC-Jubiläumsflug Nr.1962 nach Narhalla auf Flugsteig 55 informierten sie ihre Fluggäste über die Sicherheitsvorkehrungen an Bord. Wie nicht anders zu erwarten ziemlich unkonventionell, in dem Fall aber zum Brüllen komisch. „Wer ist der Passagier auf Platz 4?“ Mit diesem running-gag hielten die beiden Urgesteine des Memmelsdorfer Faschings Gerda Hofmann und Claudia Gunzelmann die Spannung hoch. Die mit prominenten Gästen erfahrenen Flugbegleiterinnen identifizieren ihn schließlich als „Burger-King“ Gerd Schneider, den sie ihr Gammelfleisch als „Schäuferla ala Ribery“, also mit Goldauflage und karamellisierter Süßholzwurzel an eingeschnitt´nem Klos“ servieren wollen. Wieder auf dem Boden wird auch noch der attraktive Captain vorgestellt, der immerhin genauso viele Landungen wie Starts vorweisen kann – und darauf kommt´s ja wohl an.

Zum grandiosen Finale sammelten sich alle Akteure und stimmten die MCC Hymne nochmals gemeinsam an. Ein Konfettiregen beendete ein breitgefächertes Programm. Für die Tanzfreunde war anschließend die Band „Heaven“ bis in die frühen Morgenstunden zuständig.